Ratgeber

Die 8 Funktionen der Faszien im menschlichen Körper

Faszien sind weit mehr als passives Bindegewebe. Sie erfüllen mindestens acht lebenswichtige Funktionen im menschlichen Körper. Dieses Wissen bildet die Grundlage für eine effektive Faszientherapie.

1. Stützfunktion: Das Organ der Form

Faszien sind das Organ der Form. Würde man alles außer den Faszien aus dem menschlichen Körper entnehmen, so bliebe das wesentliche Erscheinungsbild bzw. die Struktur erhalten.

Faszien als Stützgewebe:

  • Leitsystem für das Gefäß- und Nervensystem

  • Stabilität und Funktion der Gelenke

  • Koordination der faszialen Mechanik für Muskelbewegungen

Faszien umhüllen, stützen und halten in Form: Muskeln, Organe, Nerven, Gefäße, Knochen und Gelenke. So können deren physiologische Aufgaben erfüllt werden.

2. Trägerfunktion: Basis für Nerven und Gefäße

Faszien bilden das tragende Element für das Nerven-, Gefäß- und Lymphsystem. Diese Systeme sind besonders eng mit den Faszien verbunden, da sie:

  • Teilweise selbst aus Faszien bestehen

  • Von einer Faszienhülle umgeben sind

  • Mit dichteren Faszienstrukturen verbunden und gelenkt werden

Die enge Verbindung wird bereits in der Embryonalentwicklung deutlich: Wachstum und Wanderung des Nerven- und Gefäßsystems laufen parallel mit der Entwicklung des Fasziensystems ab und bedingen sich gegenseitig.

3. Schutzfunktion: Körpereigene Schutzhülle

Faszien dienen dem Schutz des Körpers vor:

  • Spannungskräften

  • Stress

  • Kraft- und Gewalteinwirkung

Je nach Körperabschnitt sind Faszien unterschiedlich aufgebaut. In Zonen stärkerer Belastung sind sie dicker und robuster. Gelenke sind daher besonders reichlich von Faszienschichten überzogen.

  Wichtig: Steif oder hart werden Faszien nur bei pathologischen Veränderungen. 

Schutz für lebenswichtige Strukturen:

  • Gehirn und Rückenmark: Faszien schützen in Form der dreifachen Meningen (Hirnhäute) vor Druckschwankungen und Stößen

  • Gefäße und Nerven: Schutz vor Kompressionen, Zerrungen oder Schädigungen

  • Organe: Robuste Hüllen erhalten die Form und verhindern die Ausbreitung von Infektionen (z.B. Leber, Lunge)

4. Stoßdämpferfunktion: Elastischer Schutz

Faszien fangen durch ihre Elastizität die Wucht von einwirkenden Kräften ab und dämpfen diese. So wird verhindert, dass sich starke Spannungen unkontrolliert auf Muskeln oder Organe übertragen oder es zu Rupturen kommt.

Wie funktioniert das?

  • Die Stärke des Drucks wird abgeschwächt

  • Der Druck wird in verschiedene Richtungen umgeleitet

  • Fetteinlagerungen unterstützen den Schutz (z.B. bei Nieren)

Die Grundsubstanz mit eingelagerten Molekülstrukturen (Proteoglykane) verhält sich viskös (zähflüssig). Das System kann seine Zähflüssigkeit je nach einwirkenden Kräften verändern.

5. Hämodynamik: Pumpen für Blut und Lymphe

Die Faszien dienen als periphere Pumpen für Blut und Lymphe auf dem Weg zum Herz. Dies geschieht durch:

  • Verstärkung durch Muskelkontraktionen

  • Eigene Bewegungen von 8 bis 12 Zyklen pro Minute

Sie bilden damit eine Ergänzung zur zentralen Herzpumpe und erleichtern den Rückstrom.

  Achtung: Faszien unter zu starker Spannung können das Gefäßsystem komprimieren. Es kommt dann zu Stauungen im Sinne von Durchblutungsstörungen. 

6. Abwehrfunktion: Erste Barriere des Immunsystems

Das Bindegewebe mit der Grundsubstanz stellt eine erste Barriere des Immunsystems gegen die Ausbreitung von Krankheitserregern und Infektionen dar, noch bevor eine allgemeine Abwehr eingreift.

Die Abwehr erfolgt durch:

  • Direkte lokale Reaktion mit Zellauf- und -abbau

  • pH-Wert-Verschiebung

  • Wechselseitige Verbindungen zum Zentralnervensystem

  • Informationsflüsse zu endokrinen Drüsen

7. Kommunikation und Austausch: Stoffwechsel-Drehscheibe

Auf der Ebene der Faszien und der Grundsubstanz finden wesentliche Abläufe des Stoffwechsels statt.

Die Gefäß-, Lymph- und Nervensysteme enden in der Grundsubstanz und führen nicht weiter bis in die Zelle. Nährstoffe, Informationen und Abfallprodukte nehmen ihren Weg von und zu den Zellen via dieser Grundsubstanz.

Die Grundsubstanz ist nicht nur passiv beteiligt: Sie beeinflusst das Verhalten und die Produktion der Zellen mit, z.B. bei Bedarf durch Freisetzung von Nährstoffen oder Aktivierung von Enzymen.

8. Biochemische Funktion: Biopolymere bei der Arbeit

Elastin-, Retikulin- und Kollagenfasern wirken als Biopolymere. Sie können sich unter Druckeinwirkung zusammenziehen (Retraktion). Kehrt der Druck in den physiologischen Bereich zurück, finden die Fasern ihre ursprüngliche Länge wieder.

Energie-Aktivierung möglich durch:

  • Licht

  • Wärme

  • Chemische Energie

  • Elektrische Energie

  • Elektromagnetische Energie

Die mechanische Energie ist jedoch um ein Fünffaches stärker als die anderen Energieformen.

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Autor

Faszialis Institut

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